junge Welt vom 05.10.2004
Ausland
Blutige Jagdszenen in Gaza
Erneut Palästinenser bei israelischer Großoffensive getötet.
UNO-Generalsekretär fordert Ende der Gewalt. Propagandaaktion des
Militärs geplatzt
Im Zuge der israelischen Offensive im Gazastreifen sind am Montag erneut
mehrere Palästinenser getötet worden. In ersten Informationen
war von sechs Toten die Rede. Nach den Worten des israelischen Heereschefs,
Generalleutnant Mosche Jaalon, wird die Militäraktion zur Jagd
auf »militante Palästinenser« voraussichtlich noch
Wochen andauern. Der palästinensische Außenminister Nabil
Schaath bezeichnete dies am Montag als „inakzeptabel«.
Am Morgen wurden bei einem israelischen Luftangriff im nördlichen Gazastreifen vier Palästinenser getötet. Die vier Männer hätten angeblich in der Ortschaft Beit Lahija Soldaten mit einer Bombe angreifen wollen, teilten die Streitkräfte mit. Palästinensische Zeugen identifizierten die Toten als Mitglieder der Hamas. In Beit Lahija wurde nach palästinensischen Angaben ferner einen Zivilisten vor seinem Haus erschossen.
Bei einem weiteren Luftangriff wurden in Gaza-Stadt
nach Krankenhausangaben drei Personen verletzt. Augenzeugen zufolge
feuerte ein Hubschrauber zwei Raketen auf eine Menschenmenge ab. Ziel
sei vermutlich ein
örtlicher Hamas-Kommandeur gewesen, der den Angriff jedoch schwer
verletzt überlebte. Am Mittag feuerte ein israelisches Flugzeug
eine Rakete auf eine Gruppe Palästinenser im Flüchtlingslager
Dschebalija ab. Krankenwagen rasten zu dem Ort des Angriffs. Ebenfalls
in Dschebalija wurde ein palästinensischer Polizist in seiner Freizeit
von einem Schuß in den Kopf getötet. Verwandten zufolge eröffnete
ein israelischer Hubschrauber das Feuer. Ferner erschoß die Armee
in Dschebalija nach eigenen Angaben einen Bewaffneten, der dabei
war, Granaten zu werfen und eine Bombe zu legen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan rief Israel und die
Palästinenser am Sonntag zu einem Ende der Gewalt auf. Er habe
beide Seiten an ihre rechtliche Verpflichtung erinnert, die Zivilbevölkerung
zu schützen, sagte ein Sprecher
Annans am Sonntagabend in New York.
Das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) wies am Sonntag Vorwürfe Israels zurück, wonach in einem seiner Fahrzeuge Waffen für militante Palästinenser transportiert worden sein sollen. Bei einer Pressekonferenz am Sonntag erklärte ein UN-Mitarbeiter, tatsächlich habe es sich bei einem »verdächtigen Gegenstand« um eine zusammengefaltete Tragbahre gehandelt. Israels Militär hatte versucht, die Bahre als Rakete darzustellen.