An den
Botschafter der Staates Israel in Österreich
Herrn Dan Ashbel
Anton Frank-Gasse 20
1180 Wien
Wien, 5.
August 2005
Offener Brief
Sehr geehrter Herr Botschafter!
Am Sonntag, dem 17. Juli bis Dienstag, den 19. Juli 2005 wurde der Prozess von Tali Fahima erneut aufgenommen. Er wird am 18. und 19. September d. J. fortgesetzt.
Aus diesem
Anlass ruft die "Jüdische Stimme für gerechten Frieden
in Nahost", gemeinsam mit ihren Schwesterorganisationen der "European
Jews for a Just Peace", in vielen Ländern Europas öffentlich
zum Protest auf. In Österreich hat die Friedensgruppe "Frauen
in Schwarz (Wien)" ebenfalls mit Mahnwachen protestiert. Damit
wollen wir gemeinsam demonstrieren, dass die Verfolgung und ungerechte
Inhaftierung einer Frau, die die Hoffnung auf eine gemeinschaftliche
und freundschaftliche Zukunft von Palästinensern repräsentiert,
nicht unbeachtet passiert.
Tali Fahima, eine jüdisch-israelische Frau, ist seit über
einem Jahr vom israelischen Geheimdienst (GSS) festgesetzt, weil sie
es wagte, sich der Logik der Besatzungsmacht zu widersetzen: Sie zeigte
im Flüchtlingslager von Jenin öffentlich Solidarität
mit den Menschen, die den israelischen Besetzern trotzen und um ihr
alltägliches Überleben kämpfen.
Die Handlungen Tali Fahimas zeugen von Zivilcourage und einer humanitären
Haltung, die nicht nur in Österreich, sondern international gewürdigt
wird, weil sie überzeugend zum gutnachbarschaftlichen Zusammenleben
zwischen beiden Bevölkerungen beitragen. Demgegenüber zeigen
die Maßnahmen der israelischen Rechtsinstitutionen gegen sie,
dass Israel weiterhin entschlossen ist, die Bestimmungen der
IV. Genfer Konvention und ebenso die Grund- und Menschenrechte von Palästinensern
auszusetzen. Deshalb werden sogar humanitäre Handlungen von Einzelnen
oder von Gruppen in Israel, die geeignet sind, den Weg, zu einem friedlichen
und freundschaftlichen Zusammenleben beider Völker zu bereiten,
vielfach rigoros geahndet und unter Strafe gestellt.
Die Länge und die Härte der Haft - Tali Fahima wurde während
ihrer Inhaftierung selbst von Folter nicht verschont - vermochten ihre
Stimme nicht zum Schweigen zu bringen. Auch im Gefängnis nutzt
sie jede Gelegenheit, um ihrer Solidarität mit allen politischen
Gefangenen und ihrer Forderung nach einem Ende aller Formen der Unterdrückung
von Palästinensern Nachdruck zu verleihen.
In einer Zeit, da der israelische Premierminister, Ariel Sharon, seine
Bereitschaft, eine kleine Anzahl von Siedlungen nach Israel zu evakuieren,
von aller Welt feiern lässt, demonstriert der Fall Tali Fahima
abermals überaus deutlich, wie wenig Israel wirklich wünscht,
mit seinem palästinensischen Nachbar in Frieden zu leben.
Die Jüdische Stimme und Frauen in Schwarz (Wien) fordert die Zuständigen
in Israel auf, Tali Fahima unverzüglich auf freien Fuß zu
setzen, alle Anklagen gegen sie fallen zu lassen und sie, in Anbetracht
ihrer zutiefst humanitären Haltung voll und ganz zu rehabilitieren.
Gleichzeitig fordern wir nachdrücklich die Freilassung der politischen
Gefangenen des Staates Israel.
Wir bitten Sie, sehr geehrter Herr Botschafter, höflich, dieses Schreiben an die zuständigen Stellen in Israel weiterzuleiten. Überdies wären wir Ihnen sehr verbunden, wenn Sie uns über Ihre Auffassung zu den Vorgängen und - gegebenenfalls - über Reaktionen aus Israel in Kenntnis setzten.
Mit freundlichen Grüssen
Paula Abrams-Hourani
Für die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost
(EJJP Österreich)
Jewish Voice for a Just Peace in the Middle East-Austria
nahostfriede@gmx.at
Tina Salhi
Für die Frauen in Schwarz (Wien)
Womeninblack-vienna@gmx.at
*European Jews for a Just Peace ist eine Föderation aus 18 Gruppen in 9 Ländern Europas
VERTEILER
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