Drama der Grenzpatrouille in Bil’in

Kürzlich verbreitete die isr. Propagandamaschine in den Medien rosige Berichte über das New Age/ neue Zeitalter im Leben der Palästinenser und über die 5-Sterne-Bedienung, die sie nun an den Kontrollpunkten mit freundlicher Genehmigung unserer Armee erwarten wird. Bitte lest wie die New Age-Epoche in Bilin begonnen hat. Ofra Katz, Machsom Watch (24.3.05) berichtet:

Seit halb sieben am Abend findet eine seltsame Jagd über die „humantäre Hotline“ der Armee statt, zwischen der DCO in Ramallah und hochrangigen Armeeoffizieren, nachdem ein 12 jähriges Kind gekidnappt ( oder wie die Armee sagt: verhaftet) wurde. Das Kind ist nach einer schweren Kopfverletzung und medizinischer Behandlung geistig behindert.
Etwa um 18 uhr wurde ein 12 jähriges Kind aus Bili’im verhaftet, gewaltsam in einen Jeep geworfen, während es mit seinen Spielkameraden dort spielte. Der Jeep mit 4 Soldaten verschwand. Ganz offensichtlich ist dies eine Verletzung des Gesetzes, das bestimmt, dass Kinder dieses Alters nur in Begleitung eines Erwachsenen verhaftet werden darf. Aber die Grenzpolizei hat ihren eigenen Code. Sie ist autonom mit ihren eigenen Regeln und ihrem eigenen Strafsystem, das sich keinen Ethikregeln beugt. So ist die Armee. An einem Tag brennt sie ein Haus ab, am nächsten schlägt sie Kinder zusammen oder kidnappt sie, grad wie es ihr gefällt.

Ich stand gerade mit dem Leiter des Ortsrat in der Nähe des Zauns, der auf illegaler Route entlang führt. Es ist eine Raubroute, keine Sicherheitsroute. Plötzlich erschien ein Jeep der Grenzpolizei voller Soldaten. Auf meine Frage hin, warum sie hier seien, sagten sie, sie müssten den Zaun absichern. Die Kinder, die dort gerade spielten, rannten erschreckt weg.
Der Jeep parkte oben auf dem Hügel. Dabei muss ich den Leser daran erinnern, dass die Soldaten am Tag zuvor ein Haus abbrannten (Es gibt einen Bericht darüber). Ich fuhr dann in Richtung Tel Aviv. Unterwegs wurde ich von dem Ortsvorsteher davon informiert, dass ein Jeep der Grenzpolizei ein Kind gekidnappt habe. Ich wandte mich an jede Befehlsebene, die vielleicht helfen könnte. Eine halbe Stunde später rief die „humanitäre Hotline“ an und bestätigte, dass ein Kind illegal verhaftet worden sei, entschuldigte sich verwirrt und sagte, man würde alles in ihrer Macht stehende tun, damit es freigelassen wird. Ich bestand darauf, dass das Kind in der Nähe des Ortes freigelassen wird, wo es gefangen genommen wurde oder in der Nähe seiner Wohnung. Nach vielen langen und mühsamen Telefonaten informierte mich die Hotline, dass das Kind freigelassen wurde.

Um 20 Uhr war ich von der Hotline informiert worden, dass das Kind frei wäre, und ich war so glücklich. Aber hier begann die Grenzpolizei ihr schreckliches Täuschungsspiel, ( was mir schon lange bekannt war): einige der Dorfbewohner warteten dort, wo das Kind verhaftet worden war, andere in der Nähe der Wohnung. Eine halbe Stunde später rief ich noch mal an und fragte nach, ob das Kind wirklich entlassen worden sei. Man sagte mir, es könnte nirgendwo gesehen werden. Die Grenzpolizei log, wie sie es gewöhnlich tut. Roi von der Humanitären Hotline und Offiziere begannen, das Kind zu suchen. Aber ohne Ergebnis. Ich möchte betonen, dass sich diese Leute wirklich große Mühe gaben. Besonders nach dem sie erfuhren, dass das Kind nach einer Kopfverletzung funktionale Schwierigkeiten hat. Am Ende des Tages gab die Grenzpolizei zu, dass sie das Kind in der Nähe der Siedlung Kiryat Sefer freigelassen hätten. Sie konnten keine genaue Angaben machen. Dann fuhren sie weg.
3km vom Dorf entfernt auf einer schrecklichen Bergstraße, rund herum Siedlungen mit feindlichen Siedlern. Das Drama dauerte bis 23 Uhr. Die Dorfbewohner suchten das Kind überall, trotz ihrer Angst auch in den Siedlungen und rund um das Dorf. Die Nerven der Hotline-Leute lagen blank. Zwei Armeetruppen gingen hinaus, um nach dem Kind zu suchen. Aber verständlicherweise kam es nicht in deren Nähe, da es so verängstigt war. Etwa um 23 Uhr wurde es an einer völlig anderen Stelle im Schockzustand gefunden, vollkommen erschöpft, am ganzen Körper zitternd und bitterlich weinend. Es sagte, sie hätten ihn angeschrieen und damit gedroht, ihn nie wieder nach Hause zu lassen. Sie zeigten ihm eine Menge Fotos von Kindern, die er nicht kannte. Er sollte auf ihnen Steinewerfer identifizieren.
Die militärische „Humanitäre Hotline“ zeigte Interesse, den Jungen später zu befragen.

Wer wird uns vor dem Terror der Grenzpolizei bewahren?

(dt. Ellen Rohlfs)

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