Checkpoints im März oder Was Sharon unter Erleichterung von Restriktionen versteht ein Bericht von Machsom Watch (Victoria Buch)
MachsomWatch Zusammenfassung - März 2005

Erleichterung von Restriktionen - Wo? Für wen? Wann?Eine Hochzeit und ein Begräbnis
Die Armee hat ihre Sicht auf die Ortschaft Budrus trainiert, seitdem deren EinwohnerInnen Teile des "Trennungszauns" zerstört haben.
Ein Begräbnis in Budrus: Es war etwa Mittag am 15. März, das Begräbnis eines Bürgers aus der Ortschaft fand statt. Die Trauernden gingen ihren Weg in einer langen Reihe zum Friedhof in der Nähe des Zaunes, und sie weinten und schrieen auch laut. Und dann...
Die Soldaten dachten, es wäre eine Demonstration und schossen auf die Trauergemeinde, sie schossen scharf mit Gummimantel-Geschossen, Tränengas und Handgranaten. Danach brachen sie in die Häuser der Trauergäste ein, schlugen deren Vordertüren ein; sie schossen auf die Trauernden; mit einem Knüppel spalteten sie den Kopf von Ahmed; und schlugen mit einem Armeehelm auf den Kopf von Sudqiya, einer Mutter von 15 Kindern und verletzten sie damit schwer. Die Ambulanz, die kam, um die Verletzten ins Hospital zu bringen, erhielt keine Erlaubnis in die Nähe des Trauerhauses zu fahren; außerdem wurden 2 Menschen verhaftet.
Nach einem Gespräch von MachsomWatch mit dem Maccabim Brigadekommandeur, erhielt die Einheit den Befehl Budrus zu verlassen, und die beiden Verhafteten wurden freigelassen.
Der Welt meist moralische Armee in Aktion... Nächtliche Randale in Budrus
Um 01:10 in der Nacht des 21. März, fielen Streitkräfte über das Dorf her: Jeeps näherten sich der Ortschaft von allen Seiten. Dutzende Soldaten überfielen die Häuser, kommandierten die Menschen aus ihren Häusern; Kinder zwischen 10 und 17 Jahren wurden aus ihren Betten geworfen, von ihren Familien getrennt und von den Soldaten fotografiert.
Bewohner der Ortschaft kontaktierten ein Mitglied von MachsomWatch, die den Maccabim Brigadekommandeur verständigte. Er gab zu, dass die Armee innerhalb der Ortschaft 'operierte' und die Soldaten Fotos gemacht hatten - "nur von jungen Männern, alles ist ruhig dort. Das Verantwortungsbewußtsein überträgt sich auf den Ort und die Last der Schuld ist auf alle Einwohner anzuwenden".
Um 03:03 befahl der Brigadekommandeur den Einheiten, das Dorf zu verlassen. Er stellte fest, dass der Überfall auf das Dorf mitten in der Nacht gegen seine Befehle verstossen hatte (dabei hat er vergessen, dass er im Statement davor, den Überfall auf das Dorf mitten in der Nacht als Ergebnis seiner Befehle bezeichnet hatte) und die Soldaten tatsächlich 10- bis 17jährige fotografiert hatten
(entgegen seinen Direktiven nur Fotos junger Männer im Alter von 15 bis 20 Jahren zu machen).
Wer gibt diese Befehle? Und warum muß jemand fotografiert werden - und das mitten in der Nacht?Eine Hochzeit in Bal'in
Am 25. März kamen mitten in eine Hochzeit IDF und Soldaten der Grenzpolizei (Border Police) in die Ortschaft Bal'in, unterbrachen die Festlichkeiten, drohten damit, Braut und Bräutigam zu verhaften, um "den Bewohnern des Ortes eine Lektion zu erteilen".Tausendundeine Nacht in Bal'in
Am 25. März um Mitternacht, kamen IDF Einheiten in den Ort, warfen Blendgranaten, versprühten Tränengas, feuerten Gummigeschosse, befahlen den Bewohnern ihre Häuser zu verlassen und verhafteten Kinder. Ein leitender Polizeiermittler (senior police investigator) machte deutlich, dass das Gesetz in Bezug auf palästinensische Kinder sich sehr wohl von jenem für israelische unterscheidet - ein arabisches Kind kann ohne eine erwachsene Begleitperson verhaftet werden.
Apropos Kinder in Bal'in - am 25. März, griffen sich 4 Soldaten der Grenzpolizei einen 12jährigen Jungen und zwangen ihn in ihren Jeep einzusteigen. Dieser Junge leidet aufgrund einer Kopfverletzung an einer mentalen Störung; er hat eine ergiebige Anamnese. Der Jeep fuhr weg. Die nächsten 5 Stunden bemühten sich das Zentrum zur Verteidigung von Einzelpersonen (Centre for the Defence of the Individual), das Ramallah District Coordination Office und Senior Officers herauszufinden, was mit dem Jungen geschehen war, aber sie hatten keinen Erfolg. Die Grenzpolizei gaben zu, dass sie den Jungen in der Nähe der Siedlung Kiryat Sefer rausgelassen hätten, etwa 3 km von der Ortschaft entfernt. Zuletzt wurde er um 23:00 gefunden, an einem völlig anderen Ort, er war in einem Schockzustand, erschöpft, krampfhaft zitternd, halb erfroren und weinend. Er erzählte, dass seine Häscher ihn angeschrien und damit geängstigt hätten, dass er nicht nach Hause könne, wenn er nicht vorher Kinder (die er nicht kannte) auf Fotos identifiziere, die Steine geworfen hatten
In der folgenden Nacht, um 02:10, kamen neuerlich IDF Einheiten in den Ort, so als wäre es schon zur Routine geworden. Sie weckten alle Bewohner und suchten nach den Aktivisten der Anti-Mauer Demonstrationen. Um 03:00 gingen sie wieder.Schikanen durch Siedler (die Landesherren in real-time)
Am 1. März erging ein Entscheid vom Obersten Gericht bezüglich der Zerstörung der Strasse, die auf dem Land eines Einwohners von Tulat, einer Ortschaft gegenüber von Ma'aleh Shomron und El-Matan, von den Siedlern gepflastert worden war, nachdem die IDF - unter dem Druck durch die Siedler - die Strasse zur Sicherheitsstrasse ("security road") deklariert hatten, um eine Veränderung zu verhindern. Am 13. März, beendete die Kedumim Polizei das Aufreißen der Strasse. Sofort erschienen Siedler von den Wohnwagen El-Matans auf dem Land des Einwohners von Tulat, zerhackten 5 Olivenbäume, sprühten ein ätzendes giftiges Material auf die Stümpfe, zerstörten die Abdeckung des Brunnens und warfen einen der zerhackten Bäume, der mit dem vergifteten Material bedeckt war, in den Brunnen. Als zwei Dorfbewohner ankamen, verschwanden die Siedler schnell und kamen mit 2 grossen Hunden wieder - all dies geschah vor den gleichgültigen Augen des Sicherheitsoffiziers aus Ma'aleh Shomron und einem IDF-Offizier, der ihn begleitete. Die 2 Palästinenser und ein Mitglied von MachsomWatch legten bei der Polizeistation Kedumim Beschwerde ein. Eine Woche darauf, wollten die Kläger mit 2 Polizeifahrzeugen auf das Land des Dorfes, aber eine Soldatin am Kontrollposten verweigerte ihnen die Zufahrt und alarmierte Y., den Sicherheitsoffizier. Y. erklärte, er hätte im Ort die unumschränkte Macht und sein Wort sei Gesetz. Zu diesem Zeitpunkt erhob der Polizeiofficer seine Stimme, daraufhin wurde der Schranken geöffnet, und sie konnten weiterfahren.Am 13. März wurde derselbe Einwohner von Tulat durch Siedler von El-Matan angegriffen. Seine Wunden am Kopf mußten genäht werden. Als er auf der Polizeistation von Kedumim Beschwerde einlegte, wurde er 2 Stunden lang als Verdächtiger eines tätlichen Angriffs auf die Siedler verhört, anstatt seiner Beschwerde nachzugehen.Beit Iba Checkpoint
Der März war durch eine unerklärbare Veränderung in der Funktion des Checkpoints gekennzeichnet, gleichzeitig mit dieser Veränderung der Überwachung zwischen dem Bataillon der Reservisten und dem Bataillon von Rekruten. Die Arbeitsweise änderte sich von einem Extrem in das andere mit der Ankunft der Bataillon von Rekruten. T., der Kommandant der Kompanie der Neuankömmlinge plant offensichtlich alle darüber zu belehren, was einen richtigen Befehl ausmacht."Völlige Unordnung hat uns begrüßt - Fußgänger, Rauch, Staub und kreischender Lärm. Ungefähr 60 Autos warteten am Eingang. Zusätzlich zu Staub und Chaos kamen die bewaffneten Jeeps der Armee, die mit schmetternden Sirenen herumrasten. Leute, die gerade durch den Checkpoint gekommen waren berichteten von drei Stunden Wartezeit. Hunderte Menschen drängten sich an den Drehkreuzen des Ausgangs. Der Kommandant der Kompanie, T., bedrohte und "erzog" jede einzelne Person. 'Sie verhielten sich uns gegenüber, als wären wir Tiere' sagte mir eine offensichtlich aufgeregte junge Frau. 'Wir sind Menschen. Wie können sie sich nur so verhalten?' Sie sagte, dass sie eine Fehlgeburt gehabt habe und jetzt am Anfang ihrer 2. Schwangerschaft stehe, und falls sie jetzt auch noch dieses verlieren sollte, wer kann das wieder gut machen? Wer nimmt diese Schuld auf sich?" (16. März)
"Fußgängermassen, junge Leute und alte, Rollstuhlfahrer und Menschen mit Krücken, Eltern mit Kindern in ihren Armen, kleine Kinder - alle werden gezwungen 1 Kilometer zu Fuß zu gehen. Ein Erlaß, dem die Bevölkerung unmöglich folgen kann." (21. März)
"Der Euphorie, die nach den Wahlen der Palästinensischen Behörde und dem Gipfel in Sharm-e-Sheikh folgte, scheint verflogen zu sein. Die PalästinenserInnen berichten von Elend und Verzweiflung. Schwere Körperverletzung beim Checkpoint - Felsen wurden der Strasse entlang rocks have been verteilt, um das Parken zu verhindern. Beim Taxi-Standplatz regiert das Chaos. Menschen und Fahrzeuge kriechen den schmalen Strassenstreifen entlang, der noch dazu durch die zähe Verwüstung der Armee reduziert wurde. Das daraus resultierende Chaos ist sicherlich vorsätzlich, mit der Absicht das Leben der PalästinenserInnen so grauenvoll wie möglich zu gestalten. Die Drehkreuze sind mit Menschen vollgefüllt. Die Soldaten schreien mit den unglücklichen PalästinenserInnen." (27. März)"Impromptu" Checkpoints
Gleichzeitig mit den "Erleichterungen der Einschränkungen" ("easing of restrictions") und den "Fortschritten" ("improvements"), die die IDF eilend den Medien präsentiert, haben sich die fliegenden/improvisierten/impromptu Checkpoints den ganzen März hindurch vervielfältigt, die den Alltag und die Bewegungsfreiheit der Menschen noch schwieriger und unerträglicher gestalten. Nur einige Minuten entfernt von den grossen Checkpoints, an denen sie schon Stunden warten mußten, werden die PalästinenserInnen nun neuerlich gezwungen ihre Papiere zu zeigen und eine unbestimmte Zeit lang auf ihre Durchsuchung zu warten. Währenddessen zischen die Fahrzeuge der Siedler die Strassen entlang, sie umgehen die gehäuften Verkehrsstaus bei einem provisorischen Checkpoint. Manche der provisorischen Checkpoints scheinen auch noch zusätzlich einen dauerhaften Status erreicht zu haben. So als wären die permanenten nicht ohnehin schon mehr als genug.

Tägliche Berichte in Englisch können sie auf www.machsomwatch.org nachlesen.
http://www.kibush.co.il/show_file.asp?num=2304
[MachsomWatch ist eine israelische Frauenorganisation, die einen der gravierendsten Aspekte der Besatzung beobachtet - die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der PalästinenserInnen in den Besetzten Gebieten.]

[dt. von ts]

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