Israel hält die Politik der „Strangulierung“ im Gazastreifen aufrecht
B’tselem* Itim und Haaretz, 29.3.05

Israel hält die Politik der „Strangulierung“ im Gazastreifen aufrecht und will seine Verantwortung für die Bewohner des Gazastreifens nach dem geplanten Rückzug nicht anerkennen, sagte die Menschenrechtsorganisation B’tselem in einem Bericht am Dienstag. (29.3.05) Der Bericht mit dem Titel „Ein großes Gefängnis“ dokumentiert Israels Menschenrechtsverletzungen und Verletzungen des internationalen Gesetzes im Gazastreifen. Die berichteten Verletzungen sind in erster Linie Beschränkungen der Bewegungsfreiheit, die Israel gegenüber Menschen praktiziert und auf Güter legt, die von und nach dem Gazastreifen reisen wollen bzw. transportiert werden sollen.
B’tselem behauptet, dass die meisten Aspekte der „Strangulierungs“-Politik nach israelischem und internationalem Recht illegal seien und sagt, dass Israels Recht der Selbstverteidigung ihm nicht erlaubt, auf den Menschenrechten der palästinensischen Bevölkerung herumzutrampeln.
Trotz Israels ( angeblicher) teilweiser Aufhebung von Beschränkungen – nach dem Sharm el-Sheikh-Gipfel im Februar 2005 – behauptet B’Tselem, dass es wenig Veränderungen in der Bewegungsfreiheit gegeben hat, die Israel den Palästinensern gewährt, die den Gazastreifen verlassen oder in ihn einreisen wollen. Es habe auch wenig Veränderung bei den Beschränkungen des Im- und Exports von Waren vom und nach dem Gazastreifen gegeben.
Der Bericht besagt, dass auf Grund der israelischen wirtschaftlichen Belagerung des Streifens 77% der Gazabewohner – mehr als eine Million Menschen – nun unter der Armutsgrenze leben. Die Zahl ist inzwischen doppelt so hoch wie vor der Intifada. Mehr als 300 000 Menschen (23% der Bevölkerung) leben in „tiefer Armut“.
B’Tselem berichtet, dass fast alle Einschränkungen von Bewegungsfreiheit von und zum Gazastreifen durchgehend in Übereinstimmung mit willkürlichen Kriterien eingesetzt werden.

„In den meisten Fällen, in denen die Behörden eine Genehmigung verweigern und später ein Anwalt oder eine Menschenrechtsorganisation mit eingeschaltet werden, ziehen die Behörden ihre Entscheidung zurück. Diese Tatsache macht deutlich, dass die meisten Zurückweisungen willkürlich geschehen.“
Nach der Organisation hat Israel den Gazastreifen von der Außenwelt vollkommen abgesperrt. Der Bericht sagt, Palästinenser der Westbank und israelische Araber haben es leichter, Familienmitglieder im Gefängnis zu besuchen als die, die im Gazastreifen leben.
Der Bericht macht auch deutlich, dass Israels Politik viele Palästinenser von ihren Familien trennt und sogar Ehepaare von einander trennt.

(dt. Ellen Rohlfs)

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