Die Welt darf diese grausame Belagerung nicht länger ignoren.*) The Independent (UK), 8. September 2006
Der Gaza-Streifen wird langsam stranguliert. Dieser schmale Landstrich an den Ostufern des Mittelmeeres wird nun seit drei Monaten vom israelischen Militär [Israeli Defence Forces-IDF] belagert. Seine 1,5 Millionen EinwohnerInnen waren in dieser Zeit mehr als 270 Luftschlägen, zahlreichen Bodenangriffen und einem massiven Bombardement durch die Artillerie ausgesetzt. Seit Gazas einziges Kraftwerk im Juni zerbombt wurde, ist die Bevölkerung nach Einbruch der Dunkelheit gezwungen bei Kerzenlicht zu überleben. Die Krankenhäuser benützen elektrische Generatoren, um die notwendigen Dienste in Gang zu halten. Die Hauptwasserleitung des Gaza-Streifen ist [von der IDF] zerstört worden, daraus ergeben sich ernste Versorgungsprobleme und dadurch hat sich ebenfalls das Seuchenrisiko erhöht. Brucken wurden zerbombt und Überwachungsstellen (Checkpoints) geschlossen. Kein Palästinenser, keine Palästinenserin hat die Erlaubnis in das, was tatsächlich ein Gefängnis geworden ist, hinein- oder herauszukommen.
Dies alles hat die palästinensische Wirtschaft in die Knie gezwungen. Die Mehrheit der Familien im Gaza-Streifen ist nun auf die Nahrungsmittelhilfe der Vereinten Nationen angewiesen. Für diese Menschen wurde sogar die Unterstützung der Aussenwelt empfindlich gekappt. Als die Hamas bei den palästinensischen Wahlen im Januar gewann, haben die USA und die EU entschieden, ihre Finanzmittel für die Regierungsinstitutionen der Palästinensischen Autonomiebehörde zu stoppen, bis die 'militante Organisation auf Gewalt verzichtet und Israels Existenzrecht akzeptiert'. Ein Berater des israelischen Premierministers bezog sich darauf 'scherzhaft', indem er es "den PalästinenserInnen eine Diät verschreiben" nannte. Aber das Ergebnis war der totale Zusammenbruch der palästinensischen Gesellschaft. Die im öffentlichen Dienst Beschäftigten, die ein Viertel der Bevölkerung unterstützen, haben seit sechs Monaten kein Gehalt mehr bekommen.
*) dieser Text ist der Leitartikel dieser Ausgabe des Independent
Übers. Tina Salhi
