In grosser Sorge um das Leben von Uri Avnery

Nach der Korrespondenz zwischen Otmar Steinbicker, dem Vorsitzenden der Aachener Friedenspreis e.V. und Uri Avneri sind zwei Berichte (FTA, Ha'aretz) zu finden, die den Hintergrund der Morddrohung gegen Uri Avnery zum Gegenstand haben.

Adressen für Interventionen in Österreich:
Bundesministerin Dr. Ursula Plassnik
Fax: (+43 / 0) 50 11 59-0
http://www.bmaa.gv.at/view.php3?f_id=1438&LNG=de&version=
(URL für Nachricht)

Botschafter der Staates Israel in Österreich
Herrn Dan Ashbel
Anton Frank-Gasse 20
1180 Wien                                                            
Fax: (+43 / 1) 476 46-555
E-Mail: info-sec@vienna.mfa.gov.il

Bitte senden Sie eine Kopie Ihrer Mail an: womeninblack-vienna@gmx.net

Sehr geehrte Frau Bundesministerin,

in großer Sorge um das Leben des  Friedenspreisträgers Uri Avnery wende ich mich an Sie.

Wie Sie sicher erfahren haben werden, wurde eine Morddrohung gegen Uri Avnery ausgesprochen. Baruch Marzel, der Vorsitzende der rechtsextremen israelischen Partei "Jüdisch-Nationale Front", hat die "gezielte Tötung" Uri Avnerys durch die israelische Armee gefordert. Marsel ist Kandidat bei den Wahl zum 17. Knesset in der kommenden Woche.

Mittlerweile haben wir auch erfahren, dass sich die Situation jetzt noch wesentlich problematischer darstellt: der zum Mord aufrufende Politiker wurde ausführlich im israelischen Fernsehsender "Kanal 10" interviewt mit einem großen Foto Uri Avnerys im Hintergrund. Wer sich an den Mord an dem israelischen Premierminister Yitzhak Rabin erinnert, weiß, dass sich da schnell jemand finden kann, der nicht abwarten will, ob die israelische Armee jemals Avnery tötet.

Daher appelliere ich an Sie, darauf hinzuwirken, dass 1. die israelische Regierung die Sicherheit von Uri Avnery gewährleistet und 2. die israelische Justiz den Aufruf zum Mord mit aller gebotenen Härte bestraft.

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde des Aachener Friedenspreises,


ich wende mich heute an Sie in großer Sorge um das Leben unseres
Aachener Friedenspreisträgers Uri Avnery.

Ich hatte heute morgen eine Eilmeldung an die Presse gegeben, dass eine Morddrohung gegen unseren Aachener Friedenspreisträger Uri Avnery ausgesprochen wurde. Baruch Marzel, der Vorsitzende der rechtsextremen israelischen Partei "Jüdisch-Nationale Front", hat die "gezielte Tötung" Uri Avnerys durch die israelische Armee gefordert. Marsel kandidiert zur Wahl des israelischen Parlaments, der Knesset, in der kommenden Woche.

Mittlerweile habe ich per Email Kontakt mit Uri Avnery hergestellt. Die Situation zeigt sich jetzt noch wesentlich problematischer. Wie Uri Avnery mir berichtet, wurde der zum Mord aufrufende Politiker anschließend ausführlich im israelischen Fernsehsender "Kanal 10" interviewt mit einem großen Foto unseres Preisträgers im Hintergrund. Wer sich an den Mord an dem israelischen Premierminister Yitzhak Rabin erinnert, weiß, dass sich da schnell jemand finden kann, der nicht abwarten will, ob die israelische Armee jemals Avnery
tötet.

Ich habe daher bereits an den Botschafter des Staates Israel, Herrn Shimon Stein, appelliert, darauf hinzuwirken, dass 1. die israelische Regierung die Sicherheit von Uri Avnery gewährleistet und 2. die israelische Justiz den Aufruf zum Mord mit aller gebotenen Härte
bestraft.

Ebenso habe ich Bundesaußenminister Steinmeier gebeten, in dieser Richtung auf die israelische Regierung einzuwirken. Diesem Appell hat sich auch Reinhard Voß, der Generalsekretär von Pax Christi / Deutsche Sektion mit einem ähnlich lautenden Schreiben an Bundesaußenminister Steinmeier angeschlossen.

Bitte intervenieren auch Sie!
Bundesaußenminister Steinmeier: poststelle@auswaertiges-amt.de
Botschaft des Staates Israel: botschaft@israel.de

Bitte senden Sie eine Kopie Ihrer Mail an: info@aachener-friedenspreis.de
Bitte senden Sie diese Mail weiter!
Aktuelle und Hintergrundinformationen erhalten Sie unter
www.aachener-friedenspreis.de

Mit freundlichen Grüßen


Otmar Steinbicker
Vorsitzender des Aachener Friedenspreis e.V.

um 11.30 Uhr schrieb mir unser Preisträger Uri Avnery (ergänzend zur
Pressemitteilung):

Lieber Otmar,

Ich habe im Laufe der Jahre einige Attentate erlebt, nachdem ich im Unabhaengigkeitskrieg (1948) schwer verwundet worden bin. Ich lasse mich nicht einschuechtern.

Herr Baruch Marzzel wuerde in jedem anderen Land als Neo-Nazi bezeichnet werden. Die Tatsache, dass so ein Mensch heute in Israel fuer das Parlament kandidieren darf, spricht Baende.

Dass er nach dieser Morddrohung im israelischen Fernsehen darueber lange interviewt worden ist (mit meinem Bild im Hintergrund) besagt noch mehr.

Die Besatzung verroht Israel. Wir muessen sie loswerden,
zusammen mit dem ganzen faschistischen Gesindel.

Schalom,
Uri Avnery

FTA vom 22.3.
Israelischer Rechtsextremist fordert Avnerys Ermordung

Es ist, zugegeben, nur eine rechtsextreme und nationalistische Mini-Partei in Israel, ohne Aussichten auf ein Mandat bei der anstehenden Wahl. Trotzdem kann eine solche Äußerung des Vorsitzenden eventuell eine Ermordung durch fanatisierte andere Israelis herbeiführen:

Baruch Marzel, Gründer und Vorsitzender der rechten israelischen Partei "Nationale Jüdische Front" (Chayil), hat einem Bericht der israelischen Haaretz vom Montag zufolge die Tötung des israelischen Friedensaktivisten Uri Avnery durch das israelische Militär gefordert.

Bei Reden in Jerusalem und Ramle am Montag sagte Marzel, die "linken" Aktivisten brächten sich selbst die Zerstörung und verletzten die Interessen Israels manchmal nicht weniger als die "externen Feinde" des Landes.

In der vergangenen Woche hatte Avnery, Leiter der Friedensorganisation Gush Shalom, in Reaktion auf den israelischen Angriff auf ein palästinensisches Gefängnis, um dort mehrere Gefangene, die im Jahr 2001 an der Tötung des damaligen israelischen Tourismusministers Rehavam Ze'evi beteiligt waren, gefangenzunehmen, die Tötung Ze'evis mit den "gezielten Tötungen" Israels gleichgesetzt.

Weiter bei

Freace 20.03.2006:
Unerwünschter Frieden
Israelischer Politiker fordert Tötung Uri Avnerys
http://www.freace.de/artikel/200603/200306b.html

Der zugrundeliegende Artikel bei Ha'aretz:

National Jewish Front leader Baruch Marzel, now campaigning for the March 28 Knesset election, said Monday the leaders of the Kadima party are "traitors" and "criminals" and called on the Israel Defense Forces to assassinate the far-left leader of the Gush Shalom movement Uri Avnery.

Ha'aretz 21.03.2006 (Shragai):
Baruch Marzel: IDF must assassinate left-wing activist Uri Avnery
http://www.haaretz.com/hasen/spages/696472.html

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