West Bank - durch die Besatzung zerstückelt. Von Patrick Cockburn, The Independent (UK), 8. September 2006

Der israelische Druck auf palästinensische Städte, Ortschaften und Dörfer in der West Bank (Westjordanland) ist jetzt so heftig, dass die BewohnerInnen an ihren eigenen Fähigkeiten überleben zu können zweifeln. Die 540 israelischen Checkpoints (Kontrollpunkte) und Absperrungen zerstückeln dieses kleine Stück Territorium so, dass sie die palästinensische Wirtschaft zerstören.

Nablus, früher das Herz der West Bank, gleicht einer Geisterstadt. Noch vor 10 Jahren war das ein geschäftiges Handelszentrum, aber heute gibt es lediglich einige wenige Autos auf der Strasse und die Hälfte der Geschäfte mussten schliessen.

"Jeden Tag stehe ich um 6 Uhr 30 auf und dann warte ich 3 Stunden beim israelischen Checkpoint, bevor ich ins Dorf Awarta gehen kann, das 10 km von Nablus entfernt liegt und wo ich in einer Schule unterrichte," sagte Iman Iskander. "Oft bin ich dann so verspätet, dass ich die ersten 3 Klassen versäume. Es ist höllisch. Wenn ich nach Hause komme, bin ich so müde und zornig, dass ich sogar manchmal meine Kinder schlagen möchte."

Die vergangenen sieben Monate hat sie, wie alle anderen palästinensischen Lehrkräfte, ihr monatliches Gehalt von $ 500 (£ 266 = ca. 416 Euro) nicht erhalten. Die palästinensische Regierung hat kein Geld, um die LehrerInnen zu bezahlen, weil die israelische Regierung die Steuereinnahmen einbehält und die Spender aus dem Ausland haben, seitdem die PalästinenserInnen die Hamas in die Regierung gewählt haben, die Mittel zurückgehalten

Die palästinensische Gesellschaft, die von allen Seiten her angegriffen wird, zerfällt nun endgültig in der West Bank. Neue Strassen, die die israelischen Siedlungen verbinden, haben nicht einmal Verkehrszeichen. Und die Siedlungen wachsen weiter. Israel kündigte an, dass  690 Wohnstätten in 2 jüdischen Siedlungen in der West Bank gebaut werden, wo bereits 2,4 Millionen PalästinenserInnen und 240.000 SiedlerInnen leben.

Israels Rechtfertigung für die Mauer, die die West Bank zerschneidet und die Bewegungsmöglichkeit derr PalästinenserInnen einschränkt, war die Selbstmordattentäter und bewaffnete Anriffe zu stoppen. Aber in Wahrheit wurde die West Bank nur wieder besetzt. Das Jordantal ist praktisch annektiert worden. In Nablus sagt, Isam Abu Baqr, der  Leiter der Fatah Bewegung, dass die Israelis "die West Bank zu 100 Prozent kontrollieren. Wir  sind in einer tragischen Situation".

Die Fatah in Nablus klingt eher geneigt die Hamas zu bekämpfen als Widerstand gegen die Israelis zu leisten. Die staatlichen Schulen sind fast alle, wegen eines von Fatah unterstützten  Streiks der Lehrkräfte, die ihre Bezahlung verlangen, geschlossen worden. Die Hamas Regierung kann die Forderungen der LehrerInnen nicht erfüllen, weil sie kein Geld hat. "Was  ist der Zweck, eine bankrotte Regierung unter Druck zu setzen?" fragte Abdul Rahman Imran.

Übers.: Tina Salhi

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