Jüdischer Friedensruf an die G8. Europäische Föderation fordert EU-Engagement. Von Peter Nowak, Neues Deutschlan, Freitag, 8. Juli 2007  

Mit einem Appell zur Entspannung des Nahost-Konflikts haben sich die Europäischen Juden für einen gerechten Frieden zu Wort gemeldet.

Die israelische Regierung wird von verschiedenen Seiten wegen ihrer Politik in den besetzten Gebieten kritisiert. Oft wird diese Kritik auch von Linken in Deutschland in die Nähe des Antisemitismus gerückt. Diesen Vorwurf kann man den Europäischen Juden für einen gerechten Frieden (EJJP) sicherlich nicht machen. In der Organisation haben sich in Europa lebende Juden zusammengeschlossen, die sich für eine Entspannung zwischen Israel und Palästina einsetzen und die israelische Regierungspolitik kritisieren.   

Anfang Juni veranstaltete die Organisation ihre 5. Jahrestagung in Berlin. Aus diesem Anlass wurde ein Appell für eine europaweite Friedensinitiative im Nahen Osten der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Aufruf, den bisher knapp 10 000 Menschen in ganz Europa unterzeichnet haben, steht unter dem Motto "Bevor es zu spät" ist. Zu den Erstunterzeichnern gehörte in Deutschland das Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden Rolf Verleger. Er betonte, dass eine friedliche Zukunft im Nahen Osten nur möglich sein wird, wenn das Gerechtigkeitsbedürfnis von Palästinensern und Israelis ernst genommen wird.

Die Bundesregierung wird in dem Appell aufgefordert, sich im Rahmen der europäischen Institutionen für die Anerkennung der gegenwärtigen palästinensischen Regierung einzusetzen. Außerdem wird von der EU gefordert, sie solle sich bei der israelischen Regierung für die Freilassung palästinensischer Abgeordneter und Minister einsetzen, die von Israel in den letzten Monaten inhaftiert worden sind. Zudem müssten die EU-Gremien dafür wirken, dass die israelischen Behörden zurückgehaltene Zölle und Steuereinnahmen an die Autonomiebehörde auszahlt.   

Ein zentraler Punkt in dem Appell ist die Durchsetzung der Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten, bei der neben Israel ein lebensfähiger palästinensischer Staat auf dem Territorium des Gazastreifens und des Westjordanlandes entstehen soll. Diese Initiative wurde in den letzten Wochen durch bezahlte Anzeigen in verschiedenen Tageszeitungen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Am Dienstag wandte sich die "Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden" mit einer Großanzeige in der "Ostseezeitung" an die G8-Mitglieder und stellte ihren Appell vor. Eine andere Initiative, die Teil der Aktionen gegen den G8-Gipfel sein sollte, konnte jedoch nicht stattfinden. Eine für Wochenbeginn geplante Mahnwache vor dem Zaun von Heiligendamm scheiterte an unannehmbaren Auflagen.   

http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=110885&IDC=43

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