Der zweite Tod von Rachel Corrie - eine Zensur schlimmster Art. Von VANESSA REDGRAVE in Counterpunch, 6. März 2006 english
Ich fordere das Royal Court Theatre auf, den New York Theatre Workshop wegen der Absetzung der Produktion "My Name Is Rachel Corrie" zu klagen. Der Grund dafür ist nicht, dass ich für diese Produktion Geld gegeben habe, die das Royal Court gesammelt hat - mit dem Ziel von 50.000 Pfund, garantiert durch Alan Rickman.
Das ist Zensur der schlimmsten Art. Sogar scheusslicher. Es bedeutet, eine tote junge Frau und ihre Tagebücher auf eine Schwarze Liste zu setzen. Eine sehr tapfere und aussergewöhnliche junge Frau, auf die alle StaatsbürgerInnen, gleichgültig welchen Glaubens oder welcher Nationalität sie sind, stolz und dankbar sein müssen. Sie konnten sie nicht mundtot machen als sie noch lebte, so wurde sie ermordet. Ihre Stimme erklang wieder als Alan Rickman ihre Tagebücher las und die Schauspielerin Megan Dodds zu Rachel Corrie wurde. Nun hat das New York Theatre Workshop ihre liebe Stimme zum Verstummen gebracht.
Ich werde nie den Blick der 10jährigen Rachel vergessen - am Ende der Produktion von Alan Rickman - gedreht mit einer kleinen Kamera für Familienfilme, als sie ihre Rede über die Armut in der Welt hielt und wie dringend nötig ein Ende dieser Misere ist. Das New York Theatre Workshop hat dieses kleine Mädchen zum Schweigen gebracht, ebenso wie die junge Frau, die sich den Caterpillar Planierraupen der israelischen Armee entgegenstellte.
Es muss allein wegen der puren Tatsache der Absetzung dieser Produktion eine Gerichtsverhandlung geben. Ich vermute, Anwälte werden wegen des Wortes "verschoben/zurückgestellt" konsultiert. Wir im Theater wissen jedoch, was die Absetzung einer Produktion bedeutet, egal welche Worte auch immer verwendet werden. Megan Dodds und eine Crew verlieren ihren Job. Das Royal Court Theatre verliert eine Produktion und das wenige Wochen vor der Premiere in New York City.
Das Royal Court Theatre war nämlich der Produzent von "Rachel Corrie", gemeinsam mit dem New York Theatre Workshop und hat dafür eine Menge Geld aufgebracht: 100.000 Dollar.
Ich hoffe, dass alle TheaterkünstlerInnen, SchriftstellerInnen, DesignerInnen, SchauspielerInnen, DirektorInnen, unabhängige ProduzentInnen und KünstlervertreterInnen ihren Protest äußern werden, sowohl öffentlich als auch direkt an das New York Theatre Workshop Management. Ich hoffe, dass die American Actors Equity (Amerikan. SchauspielerInnen Aktiengesellschaft ?) um Unterstützung gefragt wird und dass diese dann auch die Produzentin des Royal Court Theatre, Elyse Dodgson, den Regisseur, Alan Rickman und die Schauspielerin Megan Dodds unterstützen werden.
Wenn diese Absetzung nicht in eine Neu-Produktion verwandelt wird - irgendwo in New York - und zwar sofort, werden wir mitschuldig - wir alle - an einer Katastrophe, der es einfach nicht erlaubt werden darf, stattzufinden. In diesem Stück geht es nicht darum, sich auf eine Seite zu stellen. Es geht darum, Menschen zu beschützen.
In diesem Fall geht es um palästinensische Menschen, deren Familien, deren Häuser und Wohnungen oder deren Strassen ohne Schutz sind.
Rachel Corrie gab ihr Leben, weil sie eine Familie beschützen wollte. Sie hatte und sie verwendete weder Gewehr noch Bombe.
Sie hatte ihre gewaltige Menschlichkeit und sie gab, um Menschenleben zu retten.
[Übers. ts]
