WER IST MAJED (HUSAM) Kana'aneh?
Majed ist ein 36jähriger Psychologe, der 1970 in Arabe in Galiläa geboren wurde. In seiner Familie war das politische Bewußtsein sehr ausgeprägt, jahrelang haben sie sich mit kommunistischen Ideen identifiziert und waren auch in der "Abnaa elBalad"-Bewegung aktiv. Diese Bewegung ist eine legitime politische Organisation, die einerseits gegen Besatzung, andauernde Segregation und die diskriminierende Politik in Israel auftritt und zum Anderen für die Idee eines demokratischen Staates für alle seine BürgerInnen - ohne Unterscheidung nach Rasse, Religion oder Geschlecht - eintritt. Majeds älterer Bruder, Mohamed Kna’ana, wurde mit ihm gemeinsam verhaftet. Er ist der Generalsekretär der Bewegung.
Majed hat eine liebevolle und unterstützende Familie: beide Elternteile, drei ältere Brüder, eine jüngere Schwester und seine Verlobte, die er heiraten wollte. Seine Verlobte ist Bildhauerin, die sich um physisch und psychisch benachteiligte Kinder kümmert.
Mit 18 Jahren reiste Majed nach Italien, um an der Universität in Padua Psychologie zu studieren; dort blieb er 12 Jahre. Majed schloß sein Studium im Hauptfach in Allgemeiner Klinischer Psychologie (clinical community psychology - MA) ab. In Padua arbeitete er auch eineinhalb Jahre in Kooperation mit der Stadtverwaltung für die Gesellschaft zur Drogenbekämpfung. In dieser Eigenschaft war Majed für die Identifikation der Bedürfnisse und der Bereitstellung von Förderungen für Menschen am Rande der Gesellschaft zuständig. Er erwarb sich den Respekt und die Bewunderung seiner Eltern und KollegInnen.
30jährig, mit einem Masters' Degree in Allgemeiner Klinischer Psychologie und Interesse an anthropologischen und interkulturellen Aspekten klinischer Pflege, kehrte Majed zu seiner Familie nach Hause zurück. Er hatte Pläne und Hoffnungen für sein berufliches Weiterkommen und wollte den Turnus als Klinischer Psychologe in Israel absolvieren, wie es durch das "Psychologengesetz" ("psychologists’ law") vorgeschrieben ist. Wie schon bisher waren seine Motivation das Engagement und seine Ideen, Verletzten und Leidenden, besonders aber arabischen Leuten, beizustehen.
Er war vom Dezember 2001 bis August 2002 beim Bildungspsychologischen Dienst (educational psychological service) in Faradis angestellt. Gleichzeitig arbeitete er auch noch von Jänner 2002 bis zu seiner Verhaftung bei den Psychologischen Diensten (psychological services) in Arabe unter der Leitung von Immad Git.
Im Oktober 2002 begann Majed in Teilzeit an der Klinik für Erwachsene im Gemeindezentrum für psychische Gesundheit (adult clinic in the community center for mental health) in Jaffa zu arbeiten, als Internist für Klinische Psychologie, auf einem Spezialposten für einen arabischen Psychologen (gedacht für die begrüßte Promotion der psychologischen Dienste für die arabische Bevölkerung von Jaffa), der ihm vom Ministerium für Gesundheit zugewiesen wurde. Frau Hava Kreisler, die ihn interviewte, fand, dass Majed wegen seiner persönlichen und professionellen Referenzen, der perfekte Mann für diesen Job sei: seine humanitäre Haltung, sein Einfühlungsvermögen in die Notlagen Anderer, sein fester Glaube an die Möglichkeit für Veränderungen, seine professionelle Motivation, seine tiefe intellektuelle Neugier, sein weit reichendes Wissen und seine persönliche Integrität. Alle diese Attribute wurden während seines Verbleibs an der Klinik neuerlich bei seinen Beziehungen zu den KollegInnen, seinen PatientInnen und seinen Mentoren unter Beweis gestellt.
Die schwierigen und traumatischen Ereignisse dieser Zeit (die Zweite Intifada mit
Terroranschlägen, wahlloses Töten auf beiden Seiten und die realisierte "harte Hand" durch die Regierung) brachten Majed Gefühle von Trauer und Schmerz, er war empört über jede Art von Gewalt und glaubte tief an die Notwendigkeit des Dialogs zwischen den beiden Seiten, dabei fest in der Absicht den Frieden zu fördern.
Gegen Ende des Jahres 2003 wurde er befragt und für den Posten eines Teilzeitberaters für junge arabische Mütter im "Tipat Halav" in Jaffa angenommen, einer Abteilung des Gesundheitswesens von Ramat Chen. Majed konnte diesen Posten wegen seiner Verhaftung nicht antreten.
Ein Prozess in den Fängen von Paranoia - Gerichtsverhandlung und Urteil über den arabischen Psychologen Majed Kana'aneh
Wir sind KollegInnen aller Felder des Berufsstands, der sich mit psychischer Befindlichkeit beschäftigt: PsychologInnen, PsychiaterInnen, SozialarbeiterInnen und PsychotherapeutInnen. Wir wollen unseren Kollegen, den arabischen Psychologen Majed Kana'aneh, unterstützen. Majed wurde wegen "Bruches der Staatssicherheit" (breaching state security) angeklagt und vor Gericht gebracht. Im Februar 2004 wurde er als schuldig befunden und zu 10 Jahren, 6 Monaten Gefängnis plus einer bedingten Strafe von 4 Jahren verurteilt. Das Berufungsverfahren wird im März 2006 stattfinden.
Wir wollen zur Vorsicht mahnen und protestieren gegen die eindeutig dämonisierende Ausrichtung der Interpretation der Fakten, die während der Verhandlung offenkundig wurden!
Wir sind entsetzt über die Leichtigkeit, mit der Majed besonders schwere Verbrechen vorgeworfen wurden und die offensichtliche Verzerrung und Einseitigkeit der Anklageschrift. Wir protestieren gegen die äußerst feindliche Position, die im Urteil zum Ausdruck kommt und die weder den Menschen noch seine Umstände berücksichtigt.
Trotz der Sensitivität bei Sicherheitsfragen, protestieren wir scharf gegen die Unterhöhlung elementarer juristischer Standards und den Mangel an grundlegender humaner Perspektive und Balance bei Fällen mit arabischen BürgerInnen!
Während des ganzen Falls konzentrierte sich die Staatsanwaltschaft darauf, von unserem Freund Majed Kana'aneh, ein abstossendes Bild einer gefährlichen, subversiven Person zu zeichnen, der wissentlich und mit voller Überlegung gegen Israels Sicherheit vorging. Zu unserer Bestürzung wurde dieses Vorgehen vom Gericht ohne ausreichende Kritik oder Bedachtnahme vollkommen akzeptiert. Es war offenkundig, dass das Gericht dazu tendierte sich sehr leicht durch die Staatsanwaltschaft überreden zu lassen; jedwege Information, die ihre Behauptungen möglicherweise in Frage gestellt oder sie widerlegt hätten, wurde abgewiesen.
Wir begleiteten Majed während des Prozesses bei den Verhandlungsterminen, an denen die Öffentlichkeit zugelassen wurde. Was wir da hörten, einschließlich der Begründung des Richters für den Urteilsspruch, lassen auf eine Dynamik paranoider Ängste schließen, die in keinem aufgeklärten ordentlichen Gerichtshof Platz haben, noch Basis für die Urteilsverkündung oder Aburteilung irgendeines Menschen sein dürfen.
Wir appellieren an Sie, Ihre Unterschrift dem folgenden Aufruf hinzuzufügen:
· Hiermit bringe ich meine Unterstützung für den Psychologen Majed Kana'aneh zum Ausdruck
· Ich schließe mich dem Aufruf an, um das Unrecht, dass ihm bei dem aufgehetzten, diskriminierenden Urteil und Schuldspruch angetan wurde, zu beseitigen.
· Ich schließe mich dem Aufruf an, damit die Beweismittel und das Urteil mit ausgewogener, redlicher Einstellung nochmals geprüft werden.
Zur Unterzeichnung des Appells:
http://www.support-majed.info/indexENG.html
[Übers. Tina Salhi]
